FAQ

Diese Sammlung von Fragen und Antworten befindet sich im Aufbau. Gerne nehmen wir weitere Fragen entgegen, die wir dann möglichst schnell hier aufnehmen und nach Möglichkeit beantworten.

Ihr wollt doch bloß keinen Müll vor Eurer Haustür. Der Atomausstieg ist Euch doch egal.

Der Atomausstieg ist uns keineswegs egal, wir befürworten und unterstützen ihn voll und ganz. Allerdings sind wir der Auffassung, dass bei der Durchführung des Ausstiegs in jeder Situation die bestmögliche Lösung gesucht werden muss. Wir wollen tatsächlich keinen Müll in unserem Wohngebiet, aber eben auch in keinem anderen. Unserer Ansicht nach muss der Atomausstieg möglich sein, ohne dass zusätzliche Risiken geschaffen werden: Es kann nicht sein, dass Menschen ihre Gesundheit gefährden lassen müssen, nur weil niemand den Mut hat, andere Visionen zu entwickeln.

Würden Sie noch in Braunschweigs Norden ziehen?

Letztlich kann niemand einem anderen Menschen die Entscheidung abnehmen, ob man bestimmte Orte als sichere Wohnlage qualifiziert oder nicht. Es gibt allerdings einige Aspekte, die man der Differenzierung halber bedenken sollte, wenn es um Eckert & Ziegler beziehungsweise den Norden Braunschweigs geht. (mehr …)

Wie steht die BISS zu den Mitarbeitern bei Eckert & Ziegler?

a) "Ich arbeite bei Eckert & Ziegler. Von allen Seiten höre ich, Ihr würdet Lügen verbreiten. Außerdem habe ich Angst, dass Ihr unsere Firma zerstören und damit unsere Arbeitsplätze vernichten wollt. Ist Euch nicht klar, was das für uns bedeutet?"

Selbstverständlich können wir uns vorstellen, dass Sie diese Befürchtungen hegen. Aber wir haben überhaupt nicht die Absicht, die bestehenden Firmen zu zerstören! Sie sind unsere Nachbarn, und wir wollen niemanden hier hängen lassen. Wahrscheinlich haben Sie gehört, dass die Industrie- und Handelskammer vorgibt, der Standort Thune sei in Gefahr. Aber diese Aussage ist ungenau: Wir wehren uns nämlich an zweierlei Front.

Was die bestehende Firma und damit Ihren Arbeitsplatz angeht, so sei gesagt: Die Strafanzeige soll aus unserer Sicht unter anderem darauf hinwirken, dass die bisherigen Strahlungswerte stark verringert werden. Wenn Sie wissen möchten, wie wir darauf kommen, dass die bisherigen Werte heruntergerechnet wurden, um Grenzwerte einzuhalten, und weshalb es uns "spanisch" vorkommt, dass die Neutronenstrahlung in letzter Zeit in den Messberichten nicht mehr vorkommt, informieren Sie sich bitte hier.

Außerdem wünschen wir uns, ebenfalls auf die bestehende Firma bezogen, dass der Grenzwert von einem Millisievert pro Jahr heruntergesetzt wird (in Gorleben liegt er bei 0,3 Millisievert jährlich). Dieser Wert ist zwar legal, er kann aber vom Gesetzgeber kaum für Wohngebiete gedacht gewesen sein; oder kennen Sie ein Atomkraftwerk, das an einer Straße liegt, auf deren anderer Seite Wohnbebauung steht?

Zum anderen wehren wir uns bekanntermaßen gegen das Erweiterungsvorhaben auf dem neu erstandenen Gelände im Westen der Firma. Und dazu muss man wissen: Der Bauantrag wurde gar nicht von Ihrer Firma, also Eckert & Ziegler / Nuclitec, gestellt, sondern von Eckert & Ziegler Umweltdienste GmbH, also einer völlig neuen Tochtergründung (existent im Handelsregister seit August 2011). Dieses Subunternehmen müsste demzufolge im Falle einer Baugenehmigung seine eigene Belegschaft einstellen. Ihre Arbeitsplätze wären davon nicht betroffen.

Den Vorwurf der Lüge hören wir nicht zum ersten Mal. Und wiederum sei hier zweierlei geantwortet: Da wir alle Menschen sind, ist es selbstverständlich denkbar, dass an der einen oder anderen Stelle ungenaue Formulierungen vorliegen; derlei Missverständnisse werden aber allein dadurch ausgeräumt, dass unsere Äußerungen in den meisten Fällen mehr als einmal und durch unterschiedliche Personen getätigt und mit Dokumenten belegt werden. Dadurch wird der "rote Faden" normalerweise erkennbar.

Wenn Sie aber darauf anspielen, dass man uns unterstellt, wir würden falsche Messwerte angeben oder Harmloses hochspielen, müssen wir ganz klar sagen: Unsere Äußerungen basieren zum größten Teil auf den Ergebnissen, die der NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) als offizielle Prüfbehörde in jährlichen Berichten herausgibt. Diese Daten sind kaum anfechtbar und im übrigen auf Antrag für jeden einsehbar - lesen Sie ruhig selbst!

b) "Ich arbeite bei Eckert & Ziegler / kenne jemanden, der auf dem Gelände arbeitet / wohne in der Nähe. Niemand hat Angst, und alle sind gesund. Was soll das Getue um Gefährdungen?"

Wir freuen uns über jeden Menschen, der gesund ist! Niemand behauptet, dass durch Eckert & Ziegler plötzlich die Gegend entvölkert würde oder ähnliches. Allerdings: Ändern Sie bitte einmal versuchsweise Ihren Blickwinkel! Sicher möchten auch Sie nicht plötzlich zu denjenigen gehören, die unter das "statistisch signifikant erhöhte Risiko" fallen. Es kommt an dieser Stelle nicht darauf an, zu zählen, wie viele Menschen im Umkreis gesund leben (oder überhaupt leben), sondern wie viele das nicht (mehr) tun.

Möglicherweise spielt bei Ihrer Einschätzung der Lage ja die Tatsache eine Rolle, dass Menschen, die täglich mit Gefahren hantieren müssen, diese irgendwann nicht mehr als beunruhigend ansehen (denn sie gehören ja zu denjenigen, die von möglichen Auswirkungen verschont geblieben sind). Das ist aus psychologischer Sicht sogar ein notwendiger Effekt: Man stelle sich vor, jeder dieser Menschen müsste täglich mit dem Stress umgehen, den das Wissen um Gefahren auslöst! Die Folge wäre wohl über kurz oder lang Arbeitsunfähigkeit. Deshalb hilft sich das Gehirn mit dem Ausblenden dieser Dauerfurcht. Daraus folgt aber nicht, dass tatsächlich keine Gefahren vorliegen!

Im übrigen gibt es Menschen, die bei Eckert & Ziegler gearbeitet haben, dann aber kündigten, als ihnen klar wurde, dass offenbar ein erhöhtes Gefahrenpotential besteht. Da uns diese Information vertraulich zugetragen wurde, möchte ich an dieser Stelle nicht ins Detail gehen, aber der Hinweis darauf scheint doch unerlässlich.

Eine weitere Ursache für die Abwesenheit von Angst könnte natürlich auch in mangelnder Information zu suchen sein - einerseits in möglicher mangelnder Information seitens des Arbeitgebers, andererseits in möglicher mangelnder Selbstinformation (man geht ja zunächst auch berechtigterweise davon aus, dass keine zusätzliche Recherche vonnöten ist, wenn man in einer Firma arbeitet, die ständig ihre Sicherheitsstandards betont). Es ist jedenfalls erstaunlich, wenn Mitglieder der Belegschaft angeblich noch nie von der 2000-Stunden-Regelung gehört haben (wollen) oder der Meinung sind, der tägliche Rundgang (!) mit einem Geigerzähler sei für eine flächendeckende Überwachung ausreichend.

Schließlich könnte es natürlich auch sein, dass Sie verständlicherweise lieber weiterhin an die vorgeblich extrem hohe Sicherheit bei Eckert & Ziegler glauben wollen, weil Sie sich in dem Fall, dass die BISS mit Ihren Behauptungen und Warnungen richtig liegt, mit den dann gegebenenfalls massiv auftretenden Ängsten um Ihre Gesundheit auseinandersetzen müssten. Denn Mitarbeiter in Nuklearfirmen dürfen legal mit einem Vielfachen des Grenzwertes belastet werden, dem die Bevölkerung ausgesetzt werden darf. Und sicher sorgen Sie sich um Ihren Arbeitsplatz bzw. den Ihrer Bekannten und möchten sich deshalb nicht kritisch gegenüber Eckert & Ziegler äußern. Aber welche Firma vertrüge nicht konstruktive Kritik, die letztlich Überwachung und Abschirmung im Sinne aller verbessern könnte?

Zum Thema Umgangsgenehmigungen

„Was Eckert & Ziegler emittiert, ist ein Hauch von Nichts, es liegt weit unterhalb des Erlaubten und wird auch noch überwacht. Was regt Ihr Euch also wegen des Bauantrages auf?“

Antwort: Die Firma, bzw. ihre Vorgängerfirma, hat seit vielen Jahren die Erlaubnis, mit sehr hohen Werten zu hantieren, die immer wieder neu genehmigt werden musste. Seit 2008 existiert aber eine vom Niedersächsischen Umweltministerium erteilte zeitlich unbegrenzte Umgangsgenehmigung.

Wir empfinden das bei einer so sensiblen Technologie als etwas unglaublich Leichtsinniges. Ohne der Firma etwas unterstellen zu wollen - Macht korrumpiert, und die Firma hat durch diese Erlaubnis unwahrscheinliche Macht gewonnen.

Selbstverständlich wird überwacht werden. Eine Überwachung erfolgt ja jetzt auch, aber äußerst lückenhaft, wie unten bereits erläutert wurde. Außerdem gibt es kein Direktwarnsystem; im Fall größerer Emissionen läge es in der Verantwortung der Firma, die Bevölkerung zu alarmieren. Wir finden das erschreckend.

Die Genehmigung des Bauantrages würde bedeuten, dass die Stadt alles zulassen müsste, was unterhalb der Umgangsgenehmigungen liegt. Diese Erlaubnis hat aber beispielsweise beinhaltet, dass bereits im Jahr 2010 auf dem Gelände Inventar lagerte, das auf die Strahlung bezogen ungefähr 80% des gesamten Asse-Inventars ausmachte. Wenn man zu diesem Wert, der sich nur auf den Abfall bezieht, noch den Wert der Medizintechnik hinzurechnet, kommt man zum 15-fachen des Asse-Inventars. Und an dieser Stelle muss man wissen: Damit war die Erlaubnis gerade mal zu ca. 5% ausgenutzt. Man dürfte noch viel mehr dort verarbeiten.

In unseren Augen ist das viel zu viel, mitten im Wohngebiet. Zumal dort in gewissen Mengen auch Kernbrennstoffe verarbeitet werden dürfen (vgl. http://www.perli.de/images/drucksachen/klanfraggenehmigungeckertuziegler.pdf).

 

Verhindert die BISS höhere Sicherheitsstandards?

"Ich habe gehört, die BISS verhindere angeblich bessere Sicherheitsstandards bei Eckert & Ziegler. Ja, seid Ihr denn übergeschnappt?"

Wir wollen auf gar keinen Fall höhere Sicherheitsstandards verhindern. Im Gegenteil - die BISS besteht ja aus besorgten Bürgern, die sich Sicherheit für sich, ihre Familien, ihre Nachbarn und die Umwelt wünschen! Allerdings: Wir glauben nicht, dass die Erweiterung bei Eckert & Ziegler zu größerer Sicherheit führen wird. Im Gegenteil.

Denn diese Erweiterung würde dazu benutzt werden, zusätzlichen radioaktiven Abfall nach Thune zu schaffen. (Dabei geht es im übrigen offenbar nur zu ganz geringen Teilen um medizinische Abfälle, sondern um Müll aus AKWs! Man vergleiche dazu die firmeneigene Präsentation unter http://www.ezag.com/fileadmin/ezag/user-uploads/pdf/presentations/EZAG_EKF_FFM_NOV_2011_final_Kompatibilitaetsmodus.pdf, deren Seiten 32-34 in diesem Zusammenhang besonders aussagekräftig sind.)

Uns gibt es sehr zu denken, wenn impliziert wird, dass auf dem bereits vorhandenen Gelände offenbar nicht (mehr?) die größtmögliche Sicherheit geboten werden kann, wenn andererseits im Falle einer Erweiterung mit noch mehr Gefahrstoffen gearbeitet würde, und zwar von denselben Leuten. Wenn es jetzt nicht geht, wieso sollte es dann im größeren Maßstab gehen? Und: Warum hat man uns dann bislang dieser "Unsicherheit" ausgesetzt?

Beim Gespräch Dr. Eckerts mit Mitgliedern der BISS am 02.11.2011 wurde unter anderem die Frage zur Sprache gebracht: "'Egal, welches Volumen [hier: Menge] in den Betriebsstätten bearbeitet wird, die Strahlenbelastung wird immer gleich niedrig sein.". Können Sie den Widerspruch mit physikalischen Gesetzen erläutern?" Diese Frage bezog sich auf Aussagen seitens Eckert & Ziegler, und die schriftlich vorliegende Antwort lautete folgendermaßen: "Vielleicht wird das für Laien durch eine Analogie deutlich: egal, ob in einer Wohnung ein Kofferradio oder Symphionieorchester spielt, die Lärmgrenzwerte sind imer gleich. Sie müssen also mehr Abschirmung einbauen, die Wände einfach dicker machen."

Aha. Man baut einfach dickere Wände (wo ist da eigentlich die Analogie? Das ist doch wohl wörtlich zu verstehen...!). Man denke das mal weiter - angesichts der englischsprachigen weltweiten Werbung, die Eckert & Ziegler betreibt, könnte aus der ganzen Welt atomarer Abfall hierher verbracht werden. Man stelle sich die Menge vor... Und die notwendige Wanddicke. Die würde doch bald ins Lächerliche steigen.

Jetzt werden Sie sagen: Aber das alles soll doch hier überhaupt nicht gelagert werden, da geht doch immer wieder etwas weg, wenn Neues hinzukommt! - Ja, so ist offenbar der Plan. Aber im Bauantrag Eckert & Zieglers ist die Rede davon, dass Schacht Konrad ab 2014 als Endlager verfügbar sei. Mittlerweile heißt es, das sei nicht vor 2019 der Fall. Wir befürchten, dass in der Zwischenzeit Thune als Zwischenlager fungieren müsste. Mitten im Wohngebiet und in Sichtweite von Schulen.

Wir fordern die Fürsorgepflicht unserer Stadt ein und sind diesem Ziel dank der überwältigenden Mehrheit der Ratsmitglieder am 13.12.2011 auch ein gehöriges Stückchen näher gekommen.

Grenzwerte und Anwohnerschutz

a) "Ihr regt Euch auf, weil der für Gorleben zuständige Betreiber sich verpflichtet hat, einen Grenzwert von 0,3 Millisievert einzuhalten und in Braunschweig 1,0 Millisievert jährlich erlaubt sind. Aber das ist der üblicherweise erlaubte Wert; in Gorleben blieb man freiwillig darunter!"

Ja, das ist der üblicherweise für ein Atomkraftwerk erlaubte Wert. Er entspricht der Strahlenschutzverordnung. Nur dass Atomkraftwerke üblicherweise nicht in Wohngebieten stehen, und auch nicht in 300m Entfernung zu Grundschule und Gymnasium.

Sie denken jetzt vielleicht: "Ein Millisievert - das klingt harmlos. 'Eins', das ist deutlich weniger als zwei, zehn, hundert oder tausend, und 'milli' - das ist immer ein Tausendstel, also wieso kann uns das gefährlich werden?"

Aber dieser Grenzwert ist nicht harmlos. Er steht nicht ohne Grund am oberen Rand des Erlaubten, und dass er bislang nicht ausgeschöpft wird, ist kein freundliches Zugeständnis. Außerdem belegt die Messung von RobinWood, dass dieser Wert bereits überschritten worden ist.

Wir fragen uns, wieso man die Anwohner mit einem derart hohen Wert belasten will, statt der Fürsorgepflicht der Stadt, des Landes oder sogar des Staates gerecht zu werden. Warum kann man nicht auch für Braunschweig geringere Grenzwerte ansetzen?

Das Gefährliche ist nämlich: Würde der Bauantrag genehmigt, hätte die Stadt kein Mitspracherecht mehr bei dem, was die Firma an Strahlung in die Umwelt entlässt, solange sich diese Werte unterhalb des horrend hohen Erlaubten bewegen.

In unseren Augen käme daher die Genehmigung des Erweiterungsvorhabens, mit Laienworten ausgedrückt, der Billigung von Körperverletzung gleich.

b) "Warum regt Ihr euch eigentlich auf? Die Grenzwerte werden doch eingehalten!"

Antwort: Es gibt bereits jetzt Grenzwertüberschreitungen, aber nehmen wir für den Augenblick mal an, dass man die vernachlässigen könne. Zwei Dinge sind dem Ottonormalbürger leider unbekannt, die hier eine sehr große Rolle spielen.

Zum einen kontrolliert der Betrieb den Ausstoß an Radioaktivität hauptsächlich selbst und gibt diese Werte dann an die zuständige Behörde (NLWKN, Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) weiter. Das ist an sich nicht verwerflich, bekommt aber ein Geschmäckle, wenn man weiß, dass auch das Zustandekommen der Grenzwerte zweifelhaft ist.

Grenzwerte sind nämlich nicht unbedingt die Werte, von denen man weiß, dass sie die größtmögliche Menge an Gefahrstoffen pro Zeiteinheit ausmachen, die eben nicht gesundheitsgefährdend wirken. Vielmehr sind es die Werte, von denen der Betreiber einer Anlage und / oder entsprechende Behörden annehmen, dass sie sie problemlos einhalten können. In Gorleben nahm man dafür 0,3 Millisievert pro Jahr an; dieser Wert hat sich als zu niedrig erwiesen. In Braunschweig liegt der erlaubte Grenzwert bei 1,0 (!) Millisievert pro Jahr außen am Zaun. Dies entspricht der Strahlenschutzverordnung. Wir halten diesen Wert für im Wohngebiet zu hoch.

Zum anderen muss man wissen, wie die Grenzwerte berechnet werden: Man stellt eine Firma, die mit Radioaktivität arbeitet, auf ein bestimmtes Gelände. Die Firma ist nun aber nicht für die bereits vorhandene natürliche Radioaktivität verantwortlich. Deshalb nimmt man einen sogenannten Referenzpunkt zu Hilfe, an dem man die ortsübliche Radioaktivität misst. Diesen Wert zieht man dann von dem auf dem Firmengelände gemessenen Wert ab, um zu wissen, wie hoch der Ausstoß der Firma eigentlich ist.

Das Problem: Eckert & Ziegler verwendet einen Referenzpunkt, der zumindest sehr zweifelhaft, wenn nicht sogar völlig ungeeignet ist. Dieser Punkt ist nämlich nicht, wie eigentlich vorgeschrieben, wettertechnisch unbeeinflusst von Eckert & Ziegler, sondern liegt direkt in der Hauptwindrichtung. Außerdem liegt er näher an der Firma als offiziell angegeben. Und drittens befindet er sich inmitten eines landwirtschaftlich genutzten Gebietes und auf dem Gelände einer ehemaligen Kläranlage, wodurch nicht auszuschließen ist, dass radioaktive Stoffe wie Uran, die in Kunstdünger enthalten sind, den vorhandenen Wert an Radioaktivität erhöhen.

Das alles hat zur Folge, dass von den Messwerten bei Eckert & Ziegler ein Referenzwert abgezogen wird, der weit über der natürlichen Radioaktivität liegt. Deshalb hatte die Firma teilweise schon negative Werte – als würden sie Radioaktivität aufsaugen, statt sie auszustoßen!

Wir sind deshalb mehr als besorgt. Wenn man dann hinzuzählt, dass die Schornsteine der Firma nur für wenige Tage jährlich öffentlich beprobt werden, und dann auch immer nur zwei von den sechs vorhandenen, kann man schon mal Bauchschmerzen bekommen. Wer‘s genau wissen will, kann unter http://www.robinwood.de/Braunschweig-Thune.735.0.html nachsehen.

Deshalb wollen wir erreichen, dass in Zukunft lückenlos und durch unbeteiligte Dritte überprüft wird. Außerdem sollen Messtechniken eingesetzt werden, die eine mögliche Notfallsituation sofort melden – nicht so wie die am und um den Zaun eingesetzten Dosimeter, die keinen Alarm geben und nur in sehr großen Zeiträumen ausgelesen werden.

Nur so kann vorausgesetzt werden, dass die Anwohner im Ernstfall gewarnt werden! Bislang ist der Betrieb nämlich so klassifiziert, dass bei einem Störfall die Firma selbst die Anwohner informieren müsste – wer will das kontrollieren? Wir meinen, es muss eine sofortige Meldung nicht nur an die Feuerwehr, sondern auch die Anwohner und natürlich sämtliche zuständigen Stellen sichergestellt werden, durch ein automatisches Warnsystem, Offenlegung der Notfallpläne und andere notwendige Maßnahmen. Deshalb fordern wir, den Betrieb als Störfallbetrieb zu klassifizieren.

Interessanterweise existieren offenbar Notfallpläne, die dem Gewerbeaufsichtsamt vorliegen. Herr Aplowski (GAA-BS) wies im NDR-Interview darauf hin, dass diese Pläne vom Unternehmen selbst erstellt worden seien, während Herr Dr. Eckert während des Hearings behauptete, dafür sei seine Firma nicht zuständig, sie hätte sie deshalb auch nicht erstellt.

Greift die BISS die Medizinprodukte Eckert & Zieglers an?

"Die Firma Eckert & Ziegler produziert radioaktive Stoffe, die in der Medizin eingesetzt werden, zum Beispiel bei der Krebsbehandlung oder als Kontrastmittel zur Diagnostik. Wollt ihr sie etwa daran hindern?"

Antwort: Natürlich nicht! Das ist eine sehr wichtige Arbeit. Wir meinen aber, dass der Standort, im Wohngebiet, gegenüber von Grundschule und Gymnasium sowie ein paar Straßen vom Kindergarten entfernt, ungeeignet ist. Bereits jetzt treten hohe Strahlungswerte in die Umwelt aus, und bei einem Ausbau der Firma sehen wir große Gesundheitsgefahren auf Wenden, Thune, Harxbüttel, Lagesbüttel, Schwülper und ganz Braunschweig zukommen.

Dies gilt insbesondere, da wir sehr stark vermuten, dass es bei einer solchen Erweiterung nicht um eine Ausweitung der medizinbezogenen Tätigkeiten geht, sondern um die Installation einer überregionalen Atommülldrehscheibe. Mitten im Wohngebiet.

Blockiert die BISS die Entsorgung der Asse-Lauge?

"Die Firma Eckert & Ziegler hat durch den Test bewiesen, dass sie die Asse-Lauge in endlagerfähige Form bringen kann. Wollt ihr das etwa verhindern?"

Antwort: Natürlich nicht! Die Lauge muss aus der Asse entfernt werden, und sie muss so verarbeitet werden, dass man sie dauerhaft lagern kann. Aber wir halten den Standort inmitten von Wohngebieten, in der Nähe von Schulzentrum und Kindergarten für ungeeignet.

Die Lauge enthält unter anderem Cäsium 137, das den Älteren unter uns noch aus Tschernobyl- Zeiten als hochgefährlich bekannt ist. Dennoch behauptet Herr Dr. Eckert öffentlich, dass man theoretisch folgenlos die gesamte Laugenmenge, die während des Tests verarbeitet wurde, ohne Folgen (!) hätte auf dem Gelände auskippen können. Das sei alles völlig harmlos. Wir hegen große Zweifel daran.

Der Vollständigkeit halber sei hinzugefügt, dass es nicht allein die Firma Eckert & Ziegler ist, die die Lauge bearbeiten kann; die Gerätschaften wurden von einem russischen Subunternehmen geliefert. Das ändert aber nichts an unserer Haltung: Die Lauge muss entsorgt werden, aber dieser Vorgang darf nicht im Wohngebiet erfolgen.

Warum regen sich Harxbütteler Neubürger auf?

"In Harxbüttel wurde vor wenigen Jahren ein Neubaugebiet ausgewiesen, das ausdrücklich für Familien angelegt ist. Es gab sogar Rabatte auf den Quadratmeterpreis, die abhängig waren von der Anzahl der Kinder. Ich kann mir nicht vorstellen, dass uns der nette Herr von der Stadt die Grundstücke verkauft hätte, wenn eine Gefährdung vorläge."

Antwort: Vielleicht wusste er nichts davon. Auch die BISS wurde ursprünglich „lediglich“ wegen der Möglichkeit gegründet, dass zukünftig die ASSE-Lauge und evtl. anderer ASSE-Müll in Thune verarbeitet werden könnte. Erst im Zuge weiterer Recherchen ergab sich das erschreckende Bild, das wir heute kennen:

Bereits jetzt lagert streckenweise Material auf dem Gelände von EZN, das mehr Radioaktivität emittiert als die gesamte ASSE. Und: Die Umgangsgenehmigungen, die man EZN zugesprochen hat, ermöglichen noch weit, weit höhere Werte!

Wenn diese Tatsachen im Zeitraum der Grundstücksverkäufe tatsächlich bekannt gewesen sein sollten, wäre das himmelschreiendes Unrecht und ein handfester Skandal. Niemand hat den Neubürgern von der zukünftigen Nachbarschaft berichtet.

Man könnte den netten Herrn von der Stadt auch anrufen und ihn fragen, ob er angesichts der neuen Erkenntnisse auf die Entscheider einwirkt, damit der Bauantrag der Firma Eckert & Ziegler Umweltdienste GmbH nicht genehmigt wird.

Wieviele Arbeitsplätze wären von einer Verhinderung des Erweiterungsbaus betroffen?

Bei Eckert & Ziegler in Thune arbeiten derzeit 134 Mitarbeiter in Vollzeitstellen. Das geht aus einem Schreiben der Firma hervor. Die von Herrn Eckert während des Hearings gemachte Aussage, dass "die ganze Sache 700 Leute betrifft, die draußen in Braunschweig hervorragende Arbeit mit tollen Produkten machen" ist nicht korrekt.

Die derzeitigen Vorderungen der BISS sehen nicht vor, dass Eckert & Ziegler den Standort verlässt. Wir lehnen jedoch eine Erweiterung der Anlagen und des Umfangs der Verarbeitung radioaktiver Abfälle strikt ab. Da auch Herr Eckert stets beteuert, dass es in Thune in ganz überwiegendem Maße um Medizinprodukte geht, können keinerlei Arbeitsplätze durch die BISS-Forderungen gefährdet sein.

Jedoch erscheint es der BISS offensichtlich, dass die Äußerungen von Herrn Eckert bzgl. der Erweiterungsabsichten nicht aufrichtig sind. Insofern würden unseren Forderungen zukünftige Arbeitsplätze, von denen aber auch Herr Eckert nicht spricht, verhindern. Außerdem droht Herr Eckert mit einem Weggang seiner Firma, sollten die Auseinandersetzungen anhalten. Diese Drohungen erscheinen angesichts der Tatsache, dass die Medizinproduktesparten in Braunschweig den Schwerpunkt bilden, aber unlogisch.

Was ist die "2000-Stunden-Regelung"?

Formal gibt es eine Regelung mit dieser Bezeichnung nicht. Gemeint ist die Form, in der in den Jahresberichten der Umgebungsüberwachung der § 46 der Strahlenschutzverordnung hier angewendet wird: Hier wird die Annahme gemacht, dass sich an einigen Messpunkten Personen nicht länger als 2000 Stunden im Jahr aufhalten. Verschiedene Experten sind der Meinung, dass derartige Annahmen nur dort zulässig sind, wo Aufenthalte sicher ausgeschlossen werden, etwa in radiologischen Arztpraxen, die außerhalb der Praxisöffnungszeiten abgeschlossen sind. Im Falle von Eckert & Ziegler geht es um Punkte auf öffentlichem Staatsgebiet. Hier ist ein Daueraufenthalt unwahrscheinlich, aber möglich. Bislang ist kein anderer Fall als der hier Vorliegende bekannt, in dem § 46 StrlSchV in dieser umstrittenen Weise Anwendung findet.

Welche Ziele haben die BISS und Robin Wood?

Die BISS vertritt die Ansichten vieler Bürger vor Ort. Da geht es um ganz verständliche Interessen wie unsere Gesundheit, das Wohl unserer Kinder, die Erhaltung unserer guten Nachbarschaft und des Ansehens unserer Stadt und unseres Stadtbezirks und den Werterhalt unserer Eigenheime. Diese Interessen sehen wir durch die Betriebe am Gieselweg und insbesondere durch Eckert & Ziegler Nuclitec und die Vorgängerfirmen gefährdet. Hieraus haben wir einige Forderungen aufgestellt:

  • kein Atommüll aus der Asse oder von stillgelegten Atomkraftwerken vor der Haustür
  • die Aufhebung der Bebauungspläne und Stopp der Erweiterung
  • bessere Überwachung der Strahlenemission
  • die Veröffentlichung der Notfallpläne
  • die Einstufung der Gesamtanlage als Störfallbetrieb

[EDIT Mai 2013: Aufgrund unserer neuesten Recherchen sahen wir uns inzwischen gezwungen, radikalere Ziele zu formulieren. Diese findet man im Abschnitt "Was wir wollen" auf der Seite "Wer wir sind".]

Die Ziele von Robin Wood decken sich in vielen Ansichten mit denen der BISS. Deshalb ist eine enge Zusammenarbeit entstanden. Die konkreten Ziel von Robin Wood finden sich auf den entsprechenden Webseiten.

Wie werden radioaktive Emissionen des Betriebes überwacht?

Die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen ist Aufgabe des Betriebes. Dazu muss er selbst Messungen durchführen und auswerten. Grundsätzlich ist also ein Vertrauen in den Betrieb erforderlich.

Aufgabe der Gewerbeaufsicht ist es unter anderem, diese Selbstkontrolle zu überwachen und ggf. Maßnahmen einzuleiten. Hier gibt es einen großen Spielraum, wie häufig die verschiedenen Emissionspfade überwacht werden. An diesem Punkt übt die BISS Kritik an der Gewerbeaufsicht.

...

Wozu soll der Hallenneubau dienen?

„Was will Eckert & Ziegler denn nun in Zukunft verarbeiten?“

Antwort: Das wissen wir nicht genau, aber es besteht ein starker Verdacht.

Die Firma Eckert und Ziegler betont, man wolle die Arbeit mit medizinischen Radionukliden verlagern. Es wird explizit verneint, die Asse-Lauge verarbeiten zu wollen. Außerdem will man keine „problembehafteten“ Abfälle aus der Asse nach Thune bringen – aber es ist unklar, was „problembehaftet“ heißen soll, denn in der Asse befindet sich nicht nur die Lauge (schwach- bis mittelradioaktiv), sondern es lagern dort auch Fässer (teilweise mit stark radioaktiven Stoffen).

Die BISS befürchtet, dass hier am Rand einer größeren Stadt und mittem im Wohngebiet eine überregionale Atommüll-Drehscheibe entstehen soll. Wir meinen, dafür gibt es gute Gründe; nicht zuletzt hat sich Dr. Eckert in einschlägigen Anlegerforen zu den hohen Verdienstmöglichkeiten im Bereich des AKW-Rückbaus geäußert. Außerdem bezieht sich der Bauantrag der Firma explizit auf Schacht Konrad.

Die Angabe Dr. Eckerts während des Hearings, man wolle die auf dem jetzigen Gelände befindlichen Container in die neue Halle bringen, damit die Strahlung geringer würde, überzeugt uns nicht: Vorher hatte man der BISS nämlich mitgeteilt, die Container seien mit Bauschutt gefüllt und dienten lediglich der Abschirmung; es war nicht die Rede davon, dass sich darin radioaktive Stoffe befänden.

Desweiteren haben Mitglieder der BISS bei einem Besuch der Firma ein Modell der neuen Halle gesehen, an dem zwei Merkmale ins Auge fielen: Zum einen fand sich dort ein Schild, das das Wort "Atommüll" aufwies, und zum anderen beunruhigten die riesigen geplanten Werkstore, die man kaum benötigt, wenn man lediglich die heutigen Mengen an medizinischen Stoffen statt in die Ursprungsfirma in die neue Halle fahren möchte. Die im früheren Bezirksrat mehrfach geforderte Autobahnanbindung lässt in diesem Zusammenhang ebenfalls aufhorchen.

In jedem Fall beteiligt sich die Firma bereits jetzt am Rückbau von Atomkraftwerken. Dr. Eckert äußerte sich gegenüber der BISS am 02.11.2011 dazu so: „Wir sind seit Jahrzehnten am Rückbau von kerntechnischen Anlagen beteiligt und werden es natürlich, mit hoffentlich steigenden Umsätzen, weiter betreiben. Für Braunschweig ist das Thema aber unbedeutsam, da wir nur geringe Aktivitätsmengen hierher bringen und diese zudem nur zeitweise (alles geht zurück). Die eigentlichen Arbeiten spielen sich auf dem Gelände der Kraftwerke ab. Maßnahmen zur Sanierung von Umweltsünden sind ansonsten ein technisch risikoarmes und wirtschaftlich margenträchtiges Geschäft, das sich ethisch uneingeschränkt rechtfertigen lässt.“

Aufmerksame Leser werden bemerkt haben: Es werden bereits Gegenstände bzw. Stoffe aus alten AKWs nach Thund verfrachtet. Das führt bei uns nicht gerade zu Beruhigung. Diese Antwort liegt der BISS in schriftlicher Form vor.

Nebenbei: Es ist wohl nicht zu überlesen bzw. zu überhören, dass es hier vor allem um wirtschaftliche Aspekte geht. Das wiederum ist zunächst nicht verwerflich; dass aber den diesbezüglichen Sorgen der Anwohner mit pauschaler Verharmlosung begegnet wird (alles sei ganz harmlos), man diese also überhaupt nicht ernst nimmt, führt bei uns zu Zweifeln an sämtlichen Aussagen Dr. Eckerts.

Wer sich über die Gefährdungen durch Radioaktivität informieren möchte, kann googeln und wird dabei u.a. auf die „KiKK“-Studie stoßen, die in dieser Hinsicht zu völlig anderen Ergebnissen kommt als Dr. Eckert (der im übrigen der BISS gegenüber behauptete, diese Studie nicht zu kennen, während sie in der von ihm in Auftrag gegebenen Broschüre, die er der BISS überreichte, enthalten ist).

Welche Firmen gab und gibt es am Standort in Thune und wie hängen sie zusammen?

Auf dem Gelände befinden sich eine ganze Reihe von Firmen, deren größte Eckert & Ziegler, GE Healthcare/Buchler und Buchler GmbH sind. Deren Verbindungen untereinander sind für den Außenstehenden undurchschaubar. Das liegt zum Teil daran, dass in einigen Fällen bei gleichbleibender Besetzung die Firmennamen wechselten, zum Teil aber auch daran, dass offenbar je nach Wetterlage einmal behauptet wird, die Firmen hingen so dicht zusammen, dass keine von ihnen wegziehen könnte, ohne die anderen zu ruinieren, und ein andermal eine enge Verflechtung geleugnet wird.